Viele Frauen unterschätzen ihre Fähigkeiten. Sie sehen oft sehr klar, was ihnen noch fehlt – zumindest glauben sie das. Gleichzeitig geraten ihre Stärken in der eigenen Wahrnehmung leicht in den Hintergrund.
Dass ist kein Zufall!
Warum das kein Zufall ist
Hierfür gibt es zahlreiche Gründe, von denen hier nur eine Auswahl aufgeführt ist:
· Unser Gehirn richtet seine Aufmerksamkeit evolutionsbedingt stärker auf Gefahren und Probleme als auf Erfolge. Dieser sogenannte Negativity Bias ist gut erforscht.
· Historisch gesehen wurden weibliche Werte seit Tausenden von Jahren unterdrückt und herabgesetzt. Auch wenn die patriarchalischen Strukturen inzwischen aufgebrochen wurden, so bestehen sie in modernen Gesellschaften oft subtil weiter. (Gender Glossar der Friedrich-Ebert-Stiftung)
· Unsere Eltern geben viel von dem weiter, was sie selbst erlernt haben. Geeignete Vorbilder für ein neues Rollenverständnis sind noch lange nicht das neue Normal. (Statistisches Bundesamt, u.a. zu Verteilung von unbezahlter Sorgearbeit oder unterschiedlich hohen Renten)
· Viele Menschen erleben ihre Schulzeit so, dass Fehler und Rotstift stärker im Mittelpunkt stehen als ihre individuellen Stärken. Wie viele Talente bleiben unentdeckt, weil wir früh lernen, unsere Fehler genauer zu betrachten als unsere Fähigkeiten? (Prof. Dr. rer. nat. Gerald Hüther, Neurowissenschaftler)
Entscheidend ist nicht die Vergangenheit sondern der Perspektivenwechsel
All diese Einflüsse sind real und wirken bis heute. Sie sollen helfen zu verstehen, warum Frauen bis heute wenig selbstbewusst auf sich selbst und ihre eigenen Fähigkeiten sehen. Das soll aber nicht entmutigen! Entscheidend ist, wie der Weg weitergeht. Die Vergangenheit erklärt vieles. Sie muss jedoch nicht die Zukunft festlegen.
Neuausrichtung für die Zukunft
Heute kannst du entscheiden, ob du dich weiter aus der „Rotstift-Perspektive“ sehen möchtest, die den Fokus auf vermeintliche Fehler und Mängel legt. Oder ob du bewusst Ausschau nach deinen starken Seiten hältst.
Oft geht es nicht darum, neue Stärken zu entwickeln. Meistens geht es darum, die bestehenden Stärken endlich bewusst wahrzunehmen. Denn was Frauen schon immer gut konnten, empfinden sie als selbstverständlich und betrachten sie mit einem „blinden Fleck“.
Vielleicht sind deine Stärken für dich bisher nicht sichtbar – nicht weil sie fehlen, sondern weil dein Blick lange auf etwas anderes gerichtet war.
Reflexion
Kennst du das auch?
- Du erledigst täglich Aufgaben, die anderen schwerfallen.
- Du organisierst, vermittelst, denkst voraus.
- Du löst Probleme und hältst vieles zusammen.
- Gleichzeitig fällt es dir schwer, auf die Frage nach deinen Stärken spontan zu antworten.
Denn was selbstverständlich geworden ist, erscheint oft nicht mehr besonders.
Welche Fähigkeit setzt du so selbstverständlich ein, dass du sie bisher kaum als Stärke wahrgenommen hast?
Nimm dir einen Moment Zeit und notiere drei Dinge, die dir leichtfallen und die andere an dir schätzen.
Ermutigung
Der wichtigste Schritt besteht nicht darin, jemand anderes werden zu wollen.
Der wichtigste Schritt ist zu erkennen, was längst in dir steckt.









